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Gruben erinnern uns an daran, dass die Natur uns nicht braucht, um Pläne zu schmieden.

Mathias Thöny

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Mathias Thöny ist bei uns in erster Linie für den Abbau des Lehms in unserer Lehmgrube in Paradies verantwortlich. Dass er sich nebenbei auch für die Erhaltung und den Ausbau der Biodiversität einsetzt, ist nicht nur wichtig, sondern wird von uns auch sehr begrüsst und geschätzt. Es hilft, dass er dabei auf seine jahrelange Erfahrung im Garten- und Golfplatzbau zurückgreifen kann.

Man kann nicht einfach überall Lehm abbauen. Zuerst muss eine sorgfältige Analyse des Lehms vor Ort erfolgen. Dabei werden über einfache Handprüfverfahren sowie moderne Labormethoden wie zum Beispiel mit der Röntgendiffraktometrie die Zusammensetzung und Qualität des Lehms bestimmt. Idealerweise sollte der Lehm eine ausgewogene Mischung aus Tonmineralen, Sand und organischen Bestandteilen aufweisen, um für den Bau geeignet zu sein. Wenn die Qualität stimmt, werden die Abbauflächen von der obersten Bodenschicht befreit, um den Lehm freizulegen. Oder anders formuliert: Auf die Hummusschicht folgt die horizontale Braunerde, dann Kies und schliesslich Lehm.

Wir gewinnen den Lehm durch Abtragen mit Baggern und Schaufelradbaggern. Der Abbau erfolgt flächig und schichtweise, sodass ein nachhaltiger Materialfluss gewährleistet ist und gleichzeitig die Rekultivierung der Grube vorbereitet werden kann. Dabei achten wir besonders darauf, dass die Grubenböschungen stabil sind, um Erosionen zu vermeiden und so eine spätere Nachnutzung zu erleichtern. Bevor wir unsere Steine produzieren können, muss der Lehm allerdings nachbehandelt und aufbereitet werden. Das geschieht, indem wir dem Lehm Sand oder organische Fasern dazugeben, um die Verarbeitungseigenschaften zu verbessern und Rissbildungen zu vermeiden. Wir sieben und mischen in modernen Verfahren, bis wir die perfekte Qualität sicherstellen können.

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Plötzlich sieht man eine Lehmgrube nicht mehr als Loch im Boden, sondern als eine artenreiche Oase, in der wir nur noch staunen, lauschen und beobachten. Es ist wunderbar.

Mathias Thöny

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Artenreiche Oasen
Eine zeitgemässe Lehmgrubenbewirtschaftung achtet auf eine umweltverträgliche Nachnutzung der Abbauflächen, etwa durch Rekultivierung, Renaturierung oder Umwandlung in Lebensräume für Flora und Fauna. Leider ist es ein Fakt, dass Gruben früher oftmals durch Müll und Schadstoffe kontaminiert wurden. Aber das ist heute zum Glück nicht mehr der Fall, denn selbst die Nachnutzung wird heute geplant. Werden Gruben für eine Umnutzung nicht aufgeschüttet, orientiert sich die Nachnutzung an den naturräumlichen Gegebenheiten und den Ansprüchen der Umgebung.

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Wir nehmen Lehm aus der Natur und geben ihr etwas zurück.

Mathias Thöny

Wo der Boden offen liegt, siedeln sich Pflanzen an, die sich sonst gegen geschlossene Vegetation nicht durchsetzen könnten: Mohn, Königskerze, seltene Moose. Pfützen verwandeln sich in Tümpel, in denen Amphibien wie Erdkröten und Molche laichen. Vögel nutzen die steilen Wände als sichere Nistplätze. Seltene Wildbienen graben ihre Brutröhren in den weichen Lehm, rare Schmetterlinge ruhen sich auf den Blüten der Kräuterwiese aus. Ein wahrer Magnet für Insektenvielfalt. Mathias Thöny streift mindestens einmal wöchentlich durch unsere Gruben. Über 800 verschiedene Pflanzen wachsen hier. Sorgfältig entfernt er die gebietsfremden Pflanzen, die sogenannten Neophyten, kultiviert und pflegt, was er gerne «sein kleines Reich» nennt.

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So entsteht eine Landschaft voller Kontraste: wild, bunt, vibrierend. Für die Biodiversität sind Lehm- und Tongruben kleine Refugien, in denen sich Arten etablieren, die ausserhalb kaum noch Chancen haben. Sie gleichen Miniaturreservaten, die auf ganz natürliche Weise von Menschenhand geschaffen wurden – ungewollt zwar, aber mit grossem ökologischen Wert. Lehmgruben sind Lebensraum für Vielfalt, eine echte Schatzkammer der Biodiversität eben.